In verschiedenen Zeitschriften und im Internet haben wir bereits viele Blumenbilder aus der Gegend von Castelluccio gesehen und wollten uns dieses Blütenspektakel einmal live erleben. Mit liebenswerten Fotografenfreunden aus Südtirol haben wir Anfang Juli 2016 ein paar Tage in diesem italienischen Gebirgsdorf im Apennin verbracht.

Castelluccio ist ein kleiner Ort mit etwa 150 Einwohnern inmitten der Hochebene von Castelluccio (Piana di Castelluccio di Norcia) in Umbrien/Italien in der Provinz Perugia, 28 km von Norcia entfernt. Der Ort liegt auf einer Seehöhe von 1452 m über dem Piano Grande im „Monti Sibillini National Park“.

Diese Gegend ist für die faszinierende „Fioritura“ („Blütezeit“) im Frühsommer bekannt. In der Regel liegt der Höhepunkt der Blütezeit Ende Juni/Anfang Juli – im heurigen Jahr waren wir in der ersten Juli-Woche für den Höhepunkt etwas zu früh dran. Es war aber trotzdem ein wunderbares Erlebnis, diese Farbenpracht zu erleben. Kaum vorstellbar, dass es noch gewaltiger sein kann.

Castelluccio di Norcia ist ein Zentrum des Linsenanbaues und die Farbenpracht beschränkt sich auf die unterschiedlichen Linsenfelder, die wie ein großes Mosaik am Fuße von Castelluccio liegen. Weil die Bauern hier keine Herbizide einsetzen, kommt es zur Verunreinigung des Linsensaatgutes mit den Wildblumensamen. Die Linsen selbst haben nur kleine unspektakuläre weiße Blüten. Für die herrlichen Farben sind hauptsächlich der rote Klatschmohn (papavero), die blaue Kornblume (fiordaliso) und die gelbe Rapsblüte (colza) verantwortlich. Natürlich wachsen auch noch andere Wildblumen – allerdings nicht in diesen Massen.

Es hat nahezu jedes Feld eine andere Farbe als das jeweilige Nachbarfeld, wodurch dieser Teil der Ebene wie eine polychrome Patchwork-Decke aussieht. Die Bauern pflügen nur ihre eigenen Felder, wodurch die Samen der einzelnen Wildblumen auf denselben Feldern bleiben. Durch die unterschiedlichen Anbauzeitpunkte blühen die Blumen mitunter auch von Feld zu Feld zeitversetzt.

Dieses Farbenspektakel hat natürlich auch einen ganz großen Nachteil – an Wochenenden sollte man diese Region in dieser Zeit unbedingt meiden. Es ist unglaublich wie viele Menschen, Autos und Busse in diesem kleinen Ort unterwegs sind. An den Wochentagen geht es etwas gemütlicher zu und die Anzahl der Fotografen ist übersichtlicher. Dann sind auch die Preise in den wenigen Gaststätten auf einem fairen Niveau – am Wochenende gibt es andere Speisekarten. Linsenliebhaber sollten in jedem Fall die lokale Linsensuppe aus den umbrischen Berglinsen Lenticchie di Castelluccio probieren. 

Diese Farbenpracht verleitete mich auch zu fotografischen Experimenten: